Motif Lesung Dummheit

MORT AUX CONS!

Une lecture sur la bêtise humaine /
Eine Lesung über die menschliche Dummheit

avec des textes littéraires et philosophiques de / mit literarischen und philosophischen Texten von : Erasmus von Rotterdam, Immanuel Kant, Jean Paul, Robert Musil, Gustave Flaubert, Léon Bloy, Kurt Tucholsky, Bertrand Russell, Ringelnatz, Dietrich Bonhoeffer, Bert Brecht, Georges Brassens, Roland Barthes, Jacques Brel, Doris Lessing, Umberto Eco, John Cleese u.v.a.

gelesen von Eugénie Anselin, Véronique Fauconnet, Claude Frisoni, Marc Limpach und Jules Werner
Textauswahl:  Marc Limpach

Wiederaufnahme am 12. September um 20 Uhr im Kapuzinertheater / au théâtre des capucins!

Reservierungen / réservations: www.luxembourgticket.lu 
 

Eine Koproduktion des Kasemattentheaters mit dem TOL und dem Théâtre du Centaure

„Ich habe mir oft folgende Frage gestellt: Wie ist es möglich, da doch die Berührung, der Zusammenstoß mit der Dummheit von jeher für viele Menschen zu den qualvollsten Leiden ihres Lebens gehört haben muss, wie ist es möglich, dass dennoch – soviel ich weiß – niemals eine Studie über sie, ein ‚Essay über die Dummheit‘ geschrieben wurde? Denn die Seiten des Erasmus tun dem Gegenstand nicht genug.“ fragt sich der spanische Philosoph José Ortega y Gasset.
Und „über die Dummheit“, schreibt wiederum Roland Barthes, „sei mir nur folgende Aussage erlaubt: sie fasziniert mich“, und er fügt hinzu: „Die Dummheit ist ein harter Kern und unteilbar, urtümlich: Man kann sie nicht wissenschaftlich zerlegen.“
Der Dichter Ringelnatz beschrieb diese Schwierigkeit auf seine Weise: „Der Dummheit schöne Tiefe / Ist kein Loch. / Hat sie doch / Keinen richtigen Rand / Wie etwa Löcher in Strumpf, Flöte, Sand.“ Viel mehr weiß man leider nicht über die Dummheit. Kann man jemandem seine Dummheit vorwerfen? Ist Dummheit eher ein Mangel an Intelligenz oder an Bildung. Beides scheint verzeihbar, wenn nicht absichtlich gewollt. Mancher spricht hochnäsig von „bildungsfernen Schichten“: da klingt dann der Dünkel von Leuten an, die einfach bloß Glück im Leben gehabt haben. Immanuel Kant definierte die Dummheit als „Abwesenheit von Urteilskraft“, aber auch das ist nur eine negative Begriffsbestimmung. Immerhin erkennt man sie zumeist, wenn man sie sieht. Es sei denn, man ist selbst dumm. Noch so ein Problem, bekannt als Meta-Ignoranz oder Dunning–Kruger Effekt. Und überhaupt, gegen die Dummheit „kämpfen Götter selbst vergebens“, wie Schiller den englischen Feldherrn Talbot klagen lässt, der den Kult um die Jungfrau von Orléans unvernünftig fand. So wie die Philosophen der Aufklärung gegen Aberglauben und Fanatismus kämpften. Doch die Dummheit ist nie ganz besiegt. Und wird auch immer wieder gefährlich, besonders die kollektive Dummheit, wie die einer kriegsbegeisterten Nation. Karl Kraus hatte Recht, als er nach dem 1. Weltkrieg meinte, die Menschen würden aus Schaden dumm. Und nach Hannah Arendt ist das Böse nicht nur banal, sondern Eichmann war auch „von empörender Dummheit.“ Dummheit sei „gefährlicher als Bosheit“, schrieb Dietrich Bonhoeffer im NS-Gefängnis unter dem Eindruck der Schikanen seiner Bewacher. Dummheit ist ein Virus, gegen den es leider keinen Impfstoff gibt. Vorwerfbar, also schuldhaft, ist die Dummheit, die sehenden Auges alles ins Verderben reißt, weil sie zu verblendet ist, sich zu korrigieren - denken wir an Finanzkrisen, Faschismus oder den Klimawandel. So meinte Yuval Noah Harari kürzlich: „Als Historiker, der Interesse an der Zukunft hat, habe ich eine Sorge: dass nicht künstliche Intelligenz die größte Gefahr für die Menschheit darstellt, sondern natürliche Dummheit.“ Mit dieser Lesung wollen wir ihr augenzwinkernd zu Leibe rücken!

La représentation est adaptée pour les personnes aveugles ou malvoyantes.
Diese Veranstaltung ist für Blinde und Menschen mit Sehbehinderung geeignet.

 

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Vorführungstermine:

am Samstag den 12. September um 20 Uhr im Kapuzinertheater / au théâtre des capucins