Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster - Antonio Gramsci

GRAMSCI

Eine Lesung aus den Gefängnisheften

VORSTELLUNG

Mai 2027 um 20 Uhr
im Kasemattentheater
(Datum folgt)

ES LESEN

N.N.

Sein größtes Werk schuf Antonio Gramsci in seinem letzten Lebensjahrzehnt auf Schulheften im Gefängnis. Er wurde 1926, trotz seiner parlamentarischen Immunität, in seiner Funktion als Generalsekretär der Kommunistischen Partei Italiens von den italienischen Faschisten verhaftet. Heute noch bekannt ist der Politiker, Journalist und Schriftsteller für sein politisch-philosophisches Werk. Begriffe wie „Zivilgesellschaft“ und „(kulturelle) Hegemonie“ führte Gramsci in ihrer heutigen Bedeutung in den politischen Diskurs ein. Gramsci ist dabei kein orthodoxer Marxist, er ist ein Analytiker der Gesellschaft und ihrer Herrschaftsstrukturen, die auch kulturell bedingt sind.

Gramsci stellt fest, dass eine herrschende Klasse nicht nur durch Gewalt oder Gesetze regiert. Sie regiert, weil sie die Denkweise, Werte und den „gesunden Menschenverstand“ (das, was die Mehrheit als normal empfindet) einer Gesellschaft bestimmt. Das Konzept der kulturellen Hegemonie nach Gramsci dient heute der extremen Rechten – insbesondere im Umfeld der sogenannten „Neuen Rechten“ sowie der Identitären Bewegung – als zentrales strategisches Vorbild. Die Ideen Gramscis, eines frühen Antifaschisten, werden dabei entkontextualisiert und umgedeutet. Im Zuge der Eskalation des Rechtspopulismus zum Rechtsradikalismus und schließlich zu einem neuen Faschismus vollzieht sich vor unseren Augen eine Erziehung zur Grausamkeit (Robert Misik), die Akzeptanz des Unmenschlichen. Rechtsextreme nutzen Gramscis Idee der kulturellen Vorherrschaft, um das sogenannte „Overton-Fenster“ zu verschieben – also das, was in einer demokratischen Gesellschaft als sagbar und legitimierbar gilt. Für diese Lesung gehen wir an die Quelle von Gramscis Konzepten zurück und lesen wichtige, besonders heute wieder aktuelle Gedanken des italienischen Antifaschisten.