Motif Milenas Briefe

Milenas Briefe

mit Désirée Nosbusch
Musikalische Begleitung und Komposition Luka Kloser
Konzept und Textauswahl Marc Limpach

Eine Produktion des Kasemattentheaters mit der Unterstützung von MemoShoah Luxembourg asbl

Den Lesern Kafkas ist sie ein Begriff: Milena Jesenská war – nach und neben Felice Bauer – die berühmteste Geliebte und Briefpartnerin des Schriftstellers. Eine verheiratete Frau, an die Kafka einige seiner leidenschaftlichsten, aber auch verstörendsten Briefe richtete. Sie sei „ein lebendiges Feuer“, schrieb Kafka im Mai 1920 an Max Brod, „wie ich es noch nicht gesehen habe“ Kafkas berühmte Briefe an Milena sind erhalten, ihre Briefe an Kafka leider verschollen. Milena selbst wurde deshalb vor allem als Projektionsfläche des Dichters bekannt. Das spätere, ebenso mutige wie tragische Leben dieser Frau hat die Nachwelt lange nicht interessiert. In den Zwanzigerjahren ist sie eine bekannte Journalistin, Autorin und Übersetzerin. Mitte der Dreißiger, inzwischen neu verheiratet und Mutter der geliebten Tochter Jana, genannt Honza, wird sie auch politisch aktiv. Nach Hitlers Annexion des Sudetenlandes arbeitet sie als Fluchthelferin. Die Besetzung der „Rest-Tschechei“ treibt sie dann in den Widerstand. Am 12. November wird Milena als Mitarbeiterin einer illegalen Zeitung verhaftet. Sie kommt zunächst in Untersuchungshaft nach Dresden. Ihr Verfahren wird zwar wegen Mangels an Beweisen eingestellt, doch wird sie dennoch an die Prager Gestapo und, im Oktober 1940, schließlich an das KZ Ravensbrück überstellt. Dort stirbt sie am 17. Mai 1944, im Alter von 47 Jahren, an den Folgen einer Nierenoperation. 1994 wird sie von Yad Vashem zur “Gerechten unter den Völkern” ernannt.

Im Jahr 2015 sind erschütternde Briefe entdeckt worden, die Milena in der NS-Gefangenschaft geschrieben hat. Durch einen Zufall hatten sich in der Stasi-Akte des geschiedenen Ehemanns (und Vaters der gemeinsamen Tochter) 14 Briefe Milenas aus der Haftzeit an ihren eigenen Vater und die Tochter erhalten. Aus den Briefen, die im Mittelpunkt dieses Abends stehen, spricht eine starke, ungebeugte Frau und zugleich eine sorgende Mutter. Die Gedanken über ihre pubertierende Tochter, die ohne ihre Mutter aufwachsen muss, scheinen fast die Schrecken der Haft zu überdecken. Beeindruckend auch ihr weiteres Interesse an politischen Fragen, ihr Wille zum Wissen. Zum aufgefundenen Konvolut gehört auch ein Brief ihrer KZ-Kameradin Margarete Buber-Neumann, der unmittelbar nach Milenas Tod verfasst wurde. Sie sei ohne Schmerzen, ohne Angst gestorben, schreibt die Freundin: „So sehr gelebt, so stark gefühlt, aber auch so schwer gelitten wie sie hat keiner. Milena wusste um die Tragödie unserer Generation, denn sie konnte denken. Sie wollte diese Gedanken niederlegen, vor dem Kommenden warnen, ahnte jedoch schon seit Jahren, dass sie die Freiheit nie wiedersehen wird.“ Ihre Gedanken niedergelegt hat sie in den Briefen aus der Haft, aber auch, bereits vor dem Krieg, in vielen Artikeln, Briefen und Zeugnissen einer hellsichtigen Journalistin, selbstbewussten Frau und liebenden Mutter. Diese bewegenden Zeugnisse Milenas werden von der Schauspielerin Désirée Nosbusch vorgetragen, musikalisch begleitet von ihrer Tochter, der Musikerin Luka Kloser.


Diese Veranstaltung ist für Blinde und Menschen mit Sehbehinderung geeignet.

 

 

Vorführungstermine:

am 17. (ausverkauft) und 19. Dezember 2019 um 20 Uhr