Kaffeehaus ist Weltanschauung!

Kaffeehaus ist Weltanschauung!


mit Texten von Peter Altenberg, Stefan Zweig, Anton Kuh, Egon Friedell, Karl Kraus, Alfred Polgar, Joseph Roth, Franz Werfel, Friedrich Torberg, Theodor Kramer u.a.

Gelesen von Nikolaus Haenel und Josiane Peiffer
Textauswahl Marc Limpach


Premiere am 22. Mai 2013
um 20.00 Uhr im Kasemattentheater

Weitere Vorstellung am 23. Mai um 20.00 Uhr
in der Kulturfabrik


Eine Koproduktion
des Kasemattentheaters
mit der Kulturfabrik


Mit freundlicher Unterstützung
der österreichischen Botschaft


“Das Café Central ist eine Weltanschauung, und zwar eine,
deren innerster Inhalt es ist, die Welt nicht anzuschauen.”

Alfred Polgar


Stefan Zweig beschreibt in „Die Welt von Gestern“ rückblickend seine Jugendjahre im Kaffeehaus. „Das Wiener Kaffeehaus stellt eine Institution besonderer Art dar, die mit keiner ähnlichen der Welt zu vergleichen ist. Es ist eigentlich eine Art demokratischer, jedem für eine billige Schale Kaffee zugänglicher Klub, wo jeder Gast für diesen kleinen Obolus stundenlang sitzen, diskutieren, schreiben, Karten spielen, seine Post empfangen und vor allem eine unbegrenzte Zahl von Zeitungen und Zeitschriften konsumieren kann. So wussten wir alles, was in der Welt vorging, aus erster Hand, wir erfuhren von jedem Buch, das erschien, von jeder Aufführung und verglichen in allen Zeitungen die Kritiken; nichts hat so viel zur intellektuellen Beweglichkeit des Österreichers beigetragen, als dass er im Kaffeehaus sich über alle Vorgänge der Welt umfassend orientieren und sie zugleich im freundschaftlichen Kreise diskutieren konnte. Täglich saßen wir stundenlang, und nichts entging uns. Denn wir verfolgten dank der Kollektivität unserer Interessen den orbis pictus der künstlerischen Geschehnisse nicht mit zwei, sondern mit zwanzig und vierzig Augen.“

„Wie jeder Zeitungsleser weiß”, heißt es bei Brecht, „ist Wien um einige Kaffeehäuser herum gebaut, in denen die Bevölkerung beisammen sitzt und Zeitung liest.“ Das legendäre Café Central mit seiner ungeschriebenen, aber sehr wohl eingehaltenen Sitzordnung ist längst Literatur und Kulturgeschichte. Der seehundbärtige Lotterliterat Peter Altenberg als sein armer König, Friedell und Polgar, Karl Kraus und Anton Kuh als scharfzüngige Beisitzer. Im Kaffeehaus verfliegt die Zeit. Man spielt dort Karten und Billard, man liest Zeitung, man raucht, man plauscht, man schreibt Briefe oder Feuilletons, man trifft sich mit Leuten, die so interessant sind, dass man sie nach Hause nie einladen könnte. In das Kaffeehaus flüchtet man vor der Familie, vor den Frauen, und nach den Frauen. Die Gespräche im Kaffeehaus waren die Begleitmusik der Tragödie Österreichs zwischen den beiden Weltkriegen. Eine Lesung der Wiederbegegnung mit einer untergegangenen Welt. Auf die Frage, was ein Kaffeehausliterat denn eigentlich sei, hat Anton Kuh geantwortet: „Ein Mensch, der Zeit hat, im Kaffeehaus darüber nachzudenken, was die anderen draußen nicht erleben.“ Diese Lesung lässt brillante Literaten, Kritiker, Künstler und Kabarettisten einer glanzvollen Welt von Gestern wieder auferstehen.