Quartett

von Heiner Müller

basierend auf Cholderos de Laclos’ Briefroman 
“Les liaisons dangereuses”.


Mit Germain Wagner und Christian Wirmer

Regie & Bühne Stefan Maurer

Vorstellungen am
11. 13. 17. 19. 20. 25. 26. 27. und 31. Januar 2012
1. 2. und 3. Februar 2012
um 20 Uhr im Kasemattentheater

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© Ricardo Vaz Palma

Die Marquise Merteuil und ihr ehemaliger Geliebter, der Vicomte Valmont. Ein Mann, eine Frau, eine Kampfsituation. Dass sie ein Paar waren ist klar, wie man das jetzt nennen sollte schon nicht mehr. Sie bekämpfen sich mit Maulhurerei und das mit so großer Lust, dass man von Munderotik sprechen kann. Ob das Spiel der Vorstellung ihr Vorspiel, Nachspiel oder der eigentliche Akt ist, ist nicht zu entscheiden. Das ist aber auch zweitrangig, weil in diesem Stück die Verletzungen der Figuren sichtbar werden, weil über die Welt der gemeinsamen Vorstellungen der beiden Figuren Merteuil und Valmont hinaus, eine Realität außerhalb spürbar wird, so dass dieses Spiel in der Vorstellung wohlmöglich nur ein Spiegel des gesellschaftlichen, privaten, gesundheitlichen Zustands ist oder von alledem gleichzeitig. Man lernt die Figuren also in ihrer extremen Subjektivität kennen aber ohne die objektivierbaren Daten, an denen wir uns so gerne festhalten.

Die szenische Adaption greift auf altes literarisches Material aus dem vorrevolutionären Frankreich des 18. Jahrhunderts zurück und verlegt es in eine nicht präzise bestimmte postapokalyptische Zukunft. Dadurch erscheint das Stück zeitlos und auf die gegenwärtige Situation bezogen. Dieser Ansatz oder Trick setzt sich in den Situationen fort. Die Grenzen werden über gängige Konventionen hinaus gezogen und dann noch verletzt - ins Komische aber auch Obszöne ausgereizt. Menschen deren Geschichte schwer fassbar ist, die aber mit beiden Beinen auf festem Grund stehen: Jenseits von Gut und Böse. Und da erkennt man sie - vielleicht auch sich.

Als Text entfaltet sich ‘Quartett’ zu einem provokativen Monolog für zwei Stimmen. Er handelt von Macht und Begehren als beißende Metapher für Machtlust per se. Die Spirale von Liebe und Gewalt lässt die Antagonisten im ständigen Rollenwechsel immer tiefer in einen Sumpf liebloser, pervertierter Sexualität einsinken. Das Spiel der Geschlechter wird zum brutalen Kampf und eskaliert in der Selbstzerstörung. Quartett” war vom Autor 1981 geschrieben worden - nach dem Briefroman „Gefährliche Liebschaften” von Choderlos de Laclos, der die moralische Fäulnis des Ancien regime offenlegte. Im Gegensatz zu de Laclos’ “Liaisons” über die Baudelaire urteilte “Dieses Buch kann, wenn es brennt, nur wie Eis brennen” scheint Heiner Müllers Blick auf die Figuren liebevoll und heiter. QUARTETT ist ein Spiegel der Gegenwart: eine rabenschwarze Komödie.