Das qualvoll uralte Rätsel
- oder:
Was ist denn nun der
SINN DES LEBENS??
Eine Lesung mit Texten
von Andreas Gryphius, Samuel Johnson, Goethe,
Tolstoi, Heine, Kierkegaard, Mauthner, Thoreau, Yeats,
Pessoa, Tucholsky, Kafka, O’Neill, Hesse, Camus, Cioran,
Viktor E. Frankl, Woody Allen u.a.
Mit Désirée Nosbusch und Marc Limpach
Musik Nataša Gehl
Textauswahl Marc Limpach
Vorstellungen am 29. Februar und 1. März 2012
um 20 Uhr im Kasemattentheater
Am Meer, am wüsten, nächtlichen Meer steht ein Jüngling-Mann,
Die Brust voll Wehmut, das Haupt voll Zweifel,
Und mit düstern Lippen fragt er die Wogen:
“O löst mir das Rätsel, das qualvoll uralte Rätsel,
Worüber schon manche Häupter gegrübelt,
Häupter in Hieroglyphenmützen,
Häupter in Turban und schwarzem Barett,
Perückenhäupter und tausend andere
Arme schwitzende Menschenhäupter -
Sagt mir, was bedeutet der Mensch?
Woher ist er gekommen? Wo geht er hin?
Wer wohnt dort oben auf goldenen Sternen?”
Es murmeln die Wogen ihr ewges Gemurmel,
Es wehet der Wind, es fliehen die Wolken,
Es blinken die Sterne, gleichgültig und kalt,
Und ein Narr wartet auf Antwort.
Heinrich Heine
“Das ganze Geheimnis des Lebens läuft darauf hinaus, dass es keinerlei Sinn hat;
dass aber jeder von uns dennoch einen ausfindig macht!”
Cioran
Die Fragestellung nach dem Sinn des Lebens ist offenbar nur dem Menschen zu Eigen. Schon in der antiken Philosophie hat man festgestellt, dass der Mensch offenbar das einzig bekannte sprachbegabte Vernunftwesen ist, das die Voraussetzungen für eine selbstbezügliche Sinnreflexion vorweisen kann. Existenzielle Sinnkrisen begründen oftmals den Beginn oder die Wiederaufnahme der Reflexion über den Lebenssinn, zu denen dann auch Fragen wie die nach dem Glück oder gar dem Sinn des Leidens gehören. Diese Fragen gehören somit wohl unausweichlich zum Kern unserer “Condition Humaine.”
Bei großen Schriftstellern und Philosophen führen Sinnkrisen glücklicherweise oftmals zu grandiosen Texten: Heitere und ernste. Bittere und lustige. Verzweifelte und abgeklärte. Böse und tröstende. Zum Weinen und zum Lachen. Oder wie Eugene O’Neill es in einem Brief zusammenfasste: “I see life as a gorgeously-ironical, beautifully-indifferent, splendidly-suffering bit of chaos, the tragedy of which gives Man a tremendous significance, while without his losing fight with fate he would be a tepid, silly animal. I say ‘losing fight’ only symbolically for the brave individual always wins. Fate can never conquer his - or her - spirit. So you see I’m no pessimist. On the contrary, in spite of my scars, I’m tickled to death with life! (August 1923)”