Winterreise

von Elfriede Jelinek

Lesung aus dem Stück mit André Jung

Vorstellungen am 14. und 15. Dezember 2011
um 20 Uhr im Kasemattentheater

In Zusammenarbeit mit der Universität Luxemburg

Ich wandere nicht mehr gerne, weil ich auch nicht mehr gern aus dem Haus gehe. Jetzt muss ich also sozusagen im Schreiben wandern. Im Stück ist das ein Wandern von hinten nach vorn, wenn man das so sagen kann. Das, was gewesen ist, auch das, was mich seit meiner Kindheit gequält hat, kommt jetzt an. Es ist lang gewandert, und nun ist es bei mir angekommen, als das Frühere, das im Ankommen geborgen wäre, wenn Literatur Psychoanalyse sein könnte, was sie aber nicht ist.” - Elfriede Jelinek

Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek hat für die Kammerspiele München eine Winterreise geschrieben, die sehr persönlich ist und von einer so existentiellen Wucht, dass einem schwindlig werden kann. Fremd in der Welt und fremd dem eigenen Leben gegenüber, folgt sie den Spuren des Wanderers aus Franz Schuberts Winterreise. Höhepunkt des Stücks ist die letzte Stunde, ein Monolog des im Irrenhaus weg gesperrten Vaters, in der Münchner Uraufführung (3. Februar 2011) dargestellt von André Jung. 
Der Luxemburger Schauspieler wird diesen, von der Presse gefeierten Monolog, im Kasemattentheater lesen.

Pressestimmen zur Münchner Uraufführung an den Kammerspielen:

Der ganze letzte Teil der Aufführung ist dem verrückt gewordenen und ausgegrenzten Vater von Elfriede Jelinek gewidmet. André Jung macht diesen Monolog zum unzweifelhaften und ergreifenden Höhepunkt der Aufführung. Was die Worte offen lassen, zeigt er körpersprachlich, meist in minimalsten Regungen, einem Zittern oder dem Verstecken, dem Fummeln einer Hand, dem abgebrochenen Versuch, einen Schritt zu machen.. - Deutschlandfunk

Die letzte Stunde des Abends bestreitet André Jung quasi im Alleingang, indem er sich das schlechte Gewissen der Autorin aufbürdet und das traurige Schicksal ihres Vaters ausbreitet... Aber man weiß bzw. wir wissen: Es geht um mehr als um Elfriede Jelineks Vater. Es geht um unsere Welt der Skandale, Schandtaten, Verbrechen und ihre Opfer. Sie wird - wie Schuberts Unglück in seiner Musik - in dieser wunderlich-wunderbaren Aufführung Kunst, die das Herz ergreift. - Neue Zürcher Zeitung

Unvergesslich... jener Mann im blassen Anzug, brauner Weste, dezenter Krawatte, Hut und Stock, der mit verlorenem Blick und abwesender Miene durch die Szene schlurft... Er allein verkörpert den kalten Witz und die humane Würde einer wahren ‚Winterreise’: den aus allen Bindungen, allen Verhältnissen ins absolut Verlassene und Heimatlose Gezwungenen... Er verkündet keinen Untergang. Er lebt ihn... André Jung macht aus der subjektiven Befindlichkeit der Autorin... einen grandios objektivierten Schmerz. – FAZ