
GIER
Von Sarah Kane
mit Nora König, Marc Limpach, Martina Roth, Germain Wagner
Regie Anne Simon
Dekor und Kostüme Anouk Schiltz
WIEDERHOLUNG GIER
am Freitag 20. Februar am 20.00 Uhr
zum Todestag von Sarah Kane
im Kasemattentheater
Pressemitteilung
Zusatzvorstellung von „GIER“ anlässlich des 10. Todestages von Sarah Kane
Wegen des grossen Erfolgs und ausverkaufter Vorstellungen von „GIER“, hat das
Kasemattentheater beschlossen, anlässlich des 10. Todestages von Sarah Kane (3.
Februar 1971 – 20. Februar 1999) eine Zusatzvorstellung des Stückes für Freitag, den
20. Februar 2009 anzusetzen.
GIER - das letzte Stück, das 1998, noch zu Lebzeiten der jungen Dramatikerin Sarah Kane uraufgeführt wurde - ist ein Vierpersonenstück, ein Quartett. Aber die Figuren tragen keine Namen, sondern sind lediglich mit Buchstaben A, B, C und M bezeichnet: ihr Zusammenhalt sind die Worte, die sie zueinander, an einander vorbei oder auch nur für sich sprechen. GIER ist eine dramatische Komposition, ein lyrisches Geflecht aus Worten, eine poetische Fuge, die den Zustand der Sehnsucht umspielt. Die Sehnsucht nach Liebe vermag das Leben nicht einzulösen, hält es aber permanent in Ambivalenzen präsent: Leiden und Konflikte, Liebeswerben, Misstrauen und Ablehnung, Vergeblichkeit und Gier…
GIER zeigt die Desintegration der Seele unter dem Druck von Liebe, Verlust, und Verlangen. Textfragmente und Emotionsfetzen enthüllen eine ewige Litanei von Vergewaltigung, Untreue, Einsamkeit, Ablehnung, und Kinderlosigkeit. Die Kommunikationslosigkeit verstärkt die Isolation und wenn letztendlich die Verantwortungs- und Schuldfrage aufkommt, passiert dies in einer äußerst narzisstischen Form der eigenen Verabscheuung. Alle vier Stimmen artikulieren ihre jeweiligen starken Begierden nach Lösung und Rettung - dabei bleibt offen, ob diese durch Liebe oder durch den Tod erfolgen könnte.
Sarah Kane (1971-1999) gilt als eine der radikalsten Vertreterinnen der modernen britischen Dramatik. In ihren fünf Stücken, die zwischen 1995 und 1999 entstanden sind, komprimiert Kane ihr Theater auf ein Theater der Psyche, auf Dialoge des Bewusstseins. GIER markierte dabei einen Bruch in Kanes Arbeit. Das Stück bewegt sich weg von der rohen Gewalt der ersten Arbeiten zu einem freieren, manchmal lyrischem Schreibstil. Aber die Liebe bleibt stets die alles zu retten vermögende Hoffnung, im auseinander berstenden Mikrokosmos der Charaktere. Anne Simon versucht das Stück aus der typischen Desillusion und Kommunikationslosigkeit der Neunziger in die vorgegaukelte Idylle und Kommunikation unserer Dekade zu versetzen.
PRESSESPIEGEL
„Gier“ ist ein Stück welches man, um es einmal unelegant auszudrücken, voll „in die Fresse“ kriegt. (…) Als Schauspieler auf der Bühne des Kasemattentheaters sehen wir Martina Roth, Germain Wagner, Marc Limpach und Nora Koenig, alle vier überzeugend in ihren Rollen.
Danièle Michels, RTL, 3. Dezember 2008 (Deutsche Übersetzung)
Anne Simons Inszenierung schafft (…) Bezüge zwischen den Textfragmenten, löst sie auf und führt sie wieder an- und zueinander. So, wie die Akteure auf der Bühne in immer wechselnden Konstellationen mit-, neben- und gegeneinander spielen, werden die Fäden gespannt und wieder zerrissen. (…) Das ungeheuer kompakte Stück (…) wird bei der restlos ausverkauften Premiere im Kasemattentheater mit großem Applaus bedacht. Zurecht.
Jek, Hunderttausend.de, 4. Dezember 2008
Der Abend [im Kasemattentheater] bleibt (...) beklemmend eindrücklich und macht gespannt auf den weiteren Weg des kleinen Hauses.
Thomas Rath, Südwestrundfunk, 4. Dezember 2008
„Gier“ [wird] von dem Schauspieler-Ensemble in allen Rollenbesetzungen mit größtmöglicher Ausdrucksstärke, chamäleonartiger Wandlungsfähigkeit, überragender mimischer und gestischer Bandbreite, sowie intensiv spürbarer Bühnenpräsenz getragen. Die bravourös gemeisterte Herausforderung besteht darin, die monadenhaft-isolierten Existenzen über eine Art „monologischen Dialog“ dennoch in ein zwischenmenschlich-stimmiges Spannungsverhältnis zu bringen – eine ungeheure schauspielerische Leistung.
Jeff Baden, Luxemburger Wort, 8. Dezember 2008
Anne Simon a relevé l’ambitieux défi d’une mise en scène de « Gier », que quatre comédiens « habitent » avec une glaciale force de conviction. Ames sensibles s’abstenir !
Sonia da Silva, La Voix, 9. Dezember 2008
L'importance de la parole est montrée comme un jeu à part. Les soliloques à quatre voix, deviennent cri, le discours fonce, s'embrouille et renaît, il n'est plus support d'un message mais devient objet en lui-même. (…) « Gier », un texte qui fuse ou devient murmure, une réalité dure, nue, dans une mise en scène très suggestive et originale et un jeu pertinent.
Josée Zeimes, Le Jeudi, 11. Dezember 2008
Anne Simon ist es gelungen, die Schlüsselbotschaften der Kaneschen Dramaturgie (…) in unterschiedlichen Facetten darzustellen. Dabei kann sie sich auf die Sprachsicherheit und Ausdrucksstärke ihrer Schauspieler verlassen. Sie wetzen die Worte wie Messer aneinander, ihre Emotionsfetzen und Textfragmente bilden eine Sprachsymphonie in dunkelstem Moll.
Janina Strötgen, Tageblatt, 11. Dezember 2008
Die dynamische und bewegte Inszenierung entspricht dem nervösen Text. Und die Schauspieler (...) tragen diese Interpretation lückenlos. Ihr Spiel ist präzise und aufeinander abgestimmt, alle vier sind physisch und intellektuell flink und präsent und ausgefüllt von ihren zerrissenen Figuren im Kampf mit sich selbst. (...) Bühnenkunst vermag immer noch zu bewegen und hat ihre exzellenten Interpreten auch in Luxemburg.
Françoise Poos, 100komma7, 18. Dezember 2008 (Deutsche Übersetzung)
Anne Simons Geniestreich ist ihre kla¬re Aussage, die sie mit Bühnenbildnerin Anouk Schiltz entwickelt: Die vier Figuren sitzen zum Abendmahl in ei¬nem biederen Wohnzimmer, Eiche rus¬tikal mit Perserteppich, Kruzifix und Familienporträt in Öl an der Wand. Radiohead singt Nude, und sobald die Einspielung aus dem Off vertönt, springt C explosionsartig auf, schreit ihren Hass in den Saal, dass einem das Blut gefriert. Nora Koenig ist phänomenal in ihrer Rolle, in ihrer Wut gegen die Welt (…). Die Figuren reden aneinander vorbei, die kurzen Momente des Dialogs werden immer wieder brutal zerstört. Am Ende gipfelt ihre Kommunikationslosigkeit in einem totalen Chaos, ihre Stimmen verhallen via Diktiergerät. Die Zuschauer bleiben minutenlang sprachlos im Saal zurück.
Josée Hansen, d’Lëtzebuerger Land, 2. Januar 2009

















