Szenische Lesung
Ein anarchistischer Bankier
von Fernando Pessoa
Regie Wolfgang Hagemann
mit Michèle Sinner, Wirschaftsjournalistin und
Germain Wagner, anarchistischer Bankier
Premiere
Freitag 14. Mai 2010
Weitere Vorstellungen
15. und 20. Mai 2010
im Kasemattentheater
um 20.00 Uhr
- Mir wurde erzählt, Sie seien früher Anarchist gewesen.
- Ich bin es nicht nur gewesen, ich bin es noch immer!
... so beginnt Fernando Pessoas 1920 geschriebenes Bravourstück deduktiver Logik, indem er den verblüffenden Nachweis führt: Der wahre Anarchist muss geradezu zwangsweise Bankier werden! Ein Bankier gibt Auskunft darüber, wie er von einem gewöhnlichen Arbeiter zu einem reichen Geschäftsmann wurde, ohne je seine anarchistische Gesinnung zu verraten. Die „wahre anarchistische Methode“ bestehe nicht darin Bomben zu legen, sondern vor allem darin die Tyrannei des Geldes, dieser machtvollsten der gesellschaftlichen Fiktionen zu brechen: „Geld zu erwerben, es in so großer Menge zu erwerben, dass sein Einfluss nicht mehr spürbar werden kann.“
Eine humoristische Sicht auf den freiheitlichen „Geist“ des Kapitalismus und dessen Anpassungsvermögen an die gegen ihn gerichtete Kritik. Ob, oder warum, der Kapitalismus auch heute noch Rechtfertigungsmuster benötigt, die ihn philosophisch attraktiv machen und ihn als vermeintlich sinnstiftend aufladen, bleibt weiterhin die Frage - besonders in Zeiten der großen Banken- und Finanzkrise.
