„Mein Testament“ hat der österreichische Schrifsteller Joseph Roth seine 1939 entstandene letzte Erzählung genannt, die voll zärtlicher Ironie nichts von dem äußeren Druck zeigt, der auf ihm lastete. 1933 emigrierte Roth über Wien nach Marseille, Nizza und schließlich Paris. Dort verfiel er aus Verzweiflung über seine aussichtslose Lage dem Alkohol und verstarb am 27. Mai 1939 in einem Armenhospital.

Der Pariser Stadtstreicher und Trinker, Andreas erhält zweihundert Francs von einem eleganten Herrn, mit der Auflage, die Rückzahlung in einer Kapelle bei der Statue der heiligen Therese von Lisieux zu hinterlegen. Der Obdachlose vertrinkt zunächst das Geld, besinnt sich aber wieder, verdient zweihundert Francs durch ehrliche Arbeit und vergeudet diese dann doch wieder …! Die Legende vom heiligen Trinker erzählt mit großer Zärtlichkeit von einem frommen Tor, der noch an Wunder glaubt und seinen eigenen Tod mit Würde inszenieren will. Am Ziel seiner Odyssee durch Paris ruft Andreas „Fräulein Therese!“, seufzt ein letztes Mal und stirbt „einen so leichten und so schönen Tod“, wie man ihn sich nur wünschen kann.


Joseph Roths Kommentar:
„Gebe Gott uns allen, uns Trinkern, einen so leichten und so schönen Tod!“




Die Legende vom Heiligen Trinker