Die neue Spielzeit beginnt am 28. September um 20 Uhr
mit der Produktion
DANTONS TOD
von Georg Büchner
in einer Fassung von Claudia Romeder und Dominique Schnizer
Regie Dominique Schnizer
mit Eugénie Anselin, Marc Limpach, Mario Mentrup, Florian Panzner und Jules Werner
Regieassistenz Dani Jung
Bühne/Kostüme Christin Treunert
assistiert von Sarah Schlechter
Inspizienz Liette Majerus
Vorstellungen:
7. 9. 10. 11. 14. 17. Oktober 2009
20.00 Uhr
im Kasemattentheater
„Ich studiere die Geschichte der Revolution. Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem Grässlichen Fatalismus der Geschichte. (…) Der Einzelne nur Schaum auf der Welle, die Größe ein bloßer Zufall, die Herrschaft des Genies ein Puppenspiel, ein lächerliches Ringen gegen ein ehernes Gesetz, es zu erkennen das Höchste, es zu beherrschen unmöglich.“
Georg Büchner an die Braut, 1834
Revolutionen sollen Veränderung und tief greifende Erneuerung bringen. Ein Umsturz der Verhältnisse ist meist geprägt von dem tiefen Sehnen der Aufständischen nach mehr Freiheit und Gerechtigkeit. Aber die ursprünglich freiheitlichen Ideale schlagen immer wieder, scheinbar zwangsläufig, in zynische Mittel der Machtausübung um. Oft genug werden nur die Mechanismen der Macht und das sie ausübende Personal ausgetauscht. Die Revolution frisst nicht nur ihre Kinder, sondern auch ihre Väter.
Die Revolutionsführer Danton und Robespierre haben gegenläufige Ansichten über den Fortgang der Revolution entwickelt: sie werden zu Todfeinden. Die menschliche Eitelkeit verlangt nach immer neuen Feindbildern. Freiheit und Gerechtigkeit werden zu leeren Parolen und, Brüderlichkeit ist vergessen, die Revolution scheint nur noch Vorwand zur Aufrechterhaltung der erlangten Macht.
Die Spielfassung des Kasemattentheaters konzentriert sich dabei auf die vier Protagonisten der Revolution: Saint Just, Robespierre, Desmoulins und Danton. Der junge Regisseur Dominique Schnizer stellt mit seiner Inszenierung die Frage nach dem „grässlichen Fatalismus“ der Geschichte neu.
PRESSESPIEGEL: „DANTONS TOD“
„Dominique Schnizer gelingt es mit seinen 5 ausgezeichneten Schauspielern (...), den von Büchner gewollten großen enttäuschten Lebensekel spürbar zu machen, eine Spur Weltschmerz anklingen zu lassen (...), ein Realismus ohne Glauben an Nichts, und daneben ein explodierendes Lebensverlangen. (...) qualitativ hochwertiges Theater.“1 Pierre Neiens, 100komma7, 29. September 2009
„Marc Limpach (...) spielt nicht nur Danton, er lebt ihn und überrascht mit einem verblüffenden Gespür für die von Büchner verfassten Verse, voll von sprachlich-rethorischen Feinheiten, Anzüglichkeiten und versteckten Bedeutungen. Anerkennung gilt auch dem jungen Regisseur Dominique Schnizer, der „Dantons Tod“ (...) auf ein Minimum reduziert und lediglich die Schlüsselfiguren zu Wort kommen lässt, die für die Vermittlung der eigentlichen Essenz des Stücks unverzichtbar sind.“
Emile Hengen, Tageblatt, 30. September 2009
„Die Inszenierung in alltäglicher Kleidung auf einer leeren Bühne, auf der lediglich ein paar Kreidezeichnungen und Zitate als Dekoration dienen, [unterstreicht] die Zeitlosigkeit der Problematik und gibt den Schauspielern die Möglichkeit ihr Talent ohne schmückende Ablenkungen voll zu entfalten. Die Darsteller meistern diese große Herausforderung mit Bravour und demonstrieren, dass schauspielerisches Können auch ohne schmückendes Beiwerk das Publikum in seinen Bann ziehen kann. Eine wahrhaft meisterliche Leistung, die man sich nicht entgehen lassen darf.“
Ronny Steinmetz, Luxemburger Wort, 3. Oktober 2009
„Ein gut abgestimmtes Ballett in gehobenem Rythmus, das sich in einem, von der Außenwelt abgeschnittenen, szenisch neutralen Raum situiert. Aus diesen Auseinandersetzungen entsteht eine starke Spannung zwischen den verteidigten Ideen und zwischen den Figuren. Danton – das subtile Spiel von Marc Limpach zeigt gleichermaßen die Leidenschaftlichkeit des Revolutionärs und die Zurückhaltung, die Resignation der Figur – nähert und entfernt sich von Robespierre, mit Wucht gespielt von Jules Werner der seiner, aus einem Guss gemachten Figur, Intensität, beziehungsweise einen Hauch von Verrückheit verleiht.“ 2 Josée Zeimes, Le Jeudi, 8. Oktober 2009
„Die wirksame Simplizität der Inszenierung von Schnizer und Bühnenbildnerin Christin Treunert ergibt sich aus wenigen intelligenten Details: So werden Danton und Desmoulins nicht etwa in einen Kerker gesperrt. Die Requisite beschränkt sich auch hier auf ein simples Quadrat aus Kreide, das (...) Erinnerungen an Lars von Triers Dogville hervorruft. (...) Gerissen spielen Florian Panzner mit seiner minimalistischen Mimik und Marc Limpach mit seiner Natürlichkeit. Nachwuchsdarstellerin Eugénie Anselin stellt ihr schauspielerisches Talent mit ihrem von Sehnsucht nach menschlicher Authentizität geprägten Monolog, ihrer abschließenden Frage nach der Existenz Gottes, ja letztlich ihrer Präsenz inmitten der machtgierigen Männerriege unter Beweis. (…) Schnizers Dantons Tod ist vereinfachend und fantasiereich inszeniert, trotz seines philosophischen Diskurses überraschend kurzweilig und ragt damit aus der Reihe politischer Dramen, die derzeit in Luxemburgs Häusern aufgeführt werden, heraus.“
1 „An den Dominique Schnizer brengt et mat sengen 5 au’sgezeechenten Akteuren (...) färdeg, deen vum Büchner genee esou gewollten groussen enttäuschten Liewensekel spirbar ze maachen, eng Spur Weltschmerz mat uklengen ze loosen (...), een Realismus ouni Glaaf un Nei’scht, an donieft ganz oft een explodei’erend Liewensverlaangen. (...) qualitativ hei’chwärtegen Theater.“
2 « Un ballet au rythme élevé, bien réglé, qui se situe dans un espace scénique neutre, fermé sur l’extérieur conçu par Christin Teunert. De ces affrontements naît une vive tension entre les idées défendues et entre les hommes. Danton – le jeu subtil de Marc Limpach montre à la fois l’emportement du révolutionnaire et la retenue, la résignation de l’homme – se rapproche et s’éloigne de Robespierre, incarné avec fougue par Jules Werner qui donne de l’intensité, voire un soupçon de folie à son personnage modelé tout d’une pièce. »