LESUNG

VOM KRIEG DER GESCHLECHTER



Mittwoch 10. und Donnerstg 11. Juni 2009

um 20.00Uhr im Kasemattentheater
mit
Valérie Bodson
Fabienne Elaine Hollwege
Marc Limpach
Germain Wagner


Kriege werden nicht allein auf dem Schlachtfeld ausgetragen – auch das eigene Wohnzimmer kann zum Schlachtfeld werden, wenn Mann und Frau aufeinander treffen. Der Krieg der Geschlechter ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst und immer wieder haben Dichter und Schriftsteller versucht diese alltägliche Form der Gewalt, die keine Armeen und Geschütze braucht, sondern bloss einen Mann und, wie Georg Büchner es nennt, „das Gegenteil davon“, zu beschreiben. Der Athener Aristophanes kannte diesen Kampf der Geschlechter (der vielleicht nichts anderes ist als die Fortsetzung der Liebe mit anderen Mitteln) genauso, wie der Schwede August Strindberg, der deutsche Komiker Karl Valentin oder unser französischer Zeitgenosse Michel Houllebecq.

In einer Lesung, in der sich so unterschiedliche Autoren begegnen, wie Beaumarchais, Anton Tschechow, Franca Rame/Dario Fo, Heinrich von Kleist, Philip Roth und viele andere, wird das Publikum gemeinsam mit den Schauspielern hinabsteigen in die Ehehölle, wird es zum Zeugen von „Szenen einer Ehe“ und von Momenten männlich-weiblicher Duelle, die auf ebenso intelligente und scharfsinnige, wie auf amüsante und verblüffende Art und Weise geschildert werden. Dabei wird ein Bogen gespannt von der Antike bis zur Gegenwart, in dem der Jahrhunderte währende und immer noch aktuelle Krieg der Geschlechter in immer wieder neuen und vielfältigen Formen in meist höchst kunstvoller Sprache ausgetragen wird.           


MERTEUIL:   
Was sonst haben Sie gelernt als ihren Schwanz in ein Loch zu manövrieren, dem gleichen, aus dem Sie gefallen sind, mit dem immer gleichen mehr oder weniger kurzweiligen Resultat, und immer in dem Wahn, der Beifall der fremden Schleimhäute gilt Ihrer einzigen Person, die Schreie der Lust gehen an Ihre Adresse, während Sie doch nur ein taubes Vehikel sind, gleichgültig und auswechselbar, für die Lust der Frau, die Sie gebraucht, den machtblöden Narren ihrer Schöpfung. Sie wissen gut, dass jeder Mann ein Mann zu wenig ist für eine Frau. Das wissen Sie auch, Valmont: früh genug wird Sie das Schicksal ereilen, nicht einmal das mehr zu sein, ein Mann zu wenig. An uns hat der Totengräber seine Freude.

VALMONT:   
Mich langweilt die Bestialität unserer Konversation. Jedes Wort reisst eine Wunde, jedes Lächeln entblösst einen Fangzahn. Wir sollten unsern Part von Tigern spielen lassen. Noch ein Biss gefällig, noch ein Prankenhieb. Die Schauspielkunst der Bestien.
Heiner Müller, Quartett

Postkarte Krieg der Geschlechter
Krieg der Geschlechter Motif